ABUS Bordo 6000 oder Granit XPlus 540: Welches Fahrradschloss passt?

Beide Schlösser kommen von ABUS, beide haben denselben Zylinder gegen Picking und beide sind aus gehärtetem Stahl. Trotzdem liegen sie fünf Stufen auseinander: Das Faltschloss steht auf Sicherheitslevel 10, das Bügelschloss auf 15. Was diese Zahl wert ist, hängt weniger am Rad als daran, wo es steht und wie lange.
Wer die Klasse noch grundsätzlich abwägt, findet die Übersicht bei den Fahrradschlössern. Hier stehen das Bordo 6000K und das Granit XPlus 540 mit ihren Datenblättern nebeneinander.
- Das Bordo 6000K, wenn das Rad tagsüber kurz irgendwo stehtneunzig Zentimeter ausgeklappt, damit passt es um Laternen und dicke Pfosten, zusammengefaltet wiegt es rund 1207 Gramm und die Halterung wird ohne Werkzeug angebracht
- Das Granit XPlus 540, wenn das Rad über Nacht oder stundenlang draußen bleibtSicherheitslevel 15, dreizehn Millimeter Vierkantbügel und Schutz gegen Schlag- und Zugangriffe
- Beide haben denselben XPlus-Zylinder gegen Aufsperrversuche und liegen mit zwei Schlüsseln im Karton
Die zwei Kandidaten
ABUS Bordo 6000K
Level 10, 90 cm, 1207 Gramm
ABUS Granit XPlus 540
Level 15, 13 mm Bügel, 1500 Gramm
Die Daten nebeneinander
| Merkmal | Bordo 6000K | Granit XPlus 540 |
|---|---|---|
| Bauart | Faltschloss | Bügelschloss |
| ABUS-Sicherheitslevel | 10 | 15 |
| Gedacht für | mittleres Diebstahlrisiko | hochwertiges Rad und E-Bike |
| Zylinder | XPlus Scheibenzylinder | XPlus Scheibenzylinder |
| Materialstärke | 5 mm Stäbe | 13 mm Vierkantbügel |
| Material | gehärteter Stahl | gehärteter Stahl |
| Schutz gegen Schlag und Zug | keine Angabe | Power Cell |
| Nutzlänge | 90 cm ausgeklappt | Innenmaß begrenzt |
| Abmessungen | Breite 64 mm gefaltet | Höhe 230 mm, Breite 108 mm |
| Gewicht | 1207 g | 1500 g |
| Ummantelung | weich, gegen Lackschäden | keine Angabe |
| Halterung | SH-Halter mit Spannbändern, werkzeugfrei | keine Angabe |
| Schlüsselloch abgedeckt | keine Angabe | Verdeck vorhanden |
| Schlüssel im Lieferumfang | 2 | 2 |
| Code Card zum Nachbestellen | keine Angabe | ja |
| Gleichschließend bestellbar | keine Angabe | ja, über die Code Card |
| Artikelnummer | 62094 | 11161 |
Werte nach den Herstellerangaben zu beiden Modellen. Die Datenblätter sind unterschiedlich ausführlich: ABUS nennt beim Bordo weder eine Code Card noch eine Abdeckung des Schlüssellochs, beim Granit in dieser Ausführung weder Ummantelung noch Halterung; diese Zeilen bleiben offen. Dass eine Eigenschaft nicht aufgeführt ist, heißt nicht zwingend, dass sie fehlt, und beide Modelle gibt es in Varianten mit anderem Lieferumfang. Die Maße stammen aus den Produktangaben, die Nutzlänge des Faltschlosses meint den ausgeklappten Zustand und nicht den umschließbaren Umfang. Das Sicherheitslevel ist eine herstellereigene Skala und kein genormter Wert, es lässt sich nicht mit den Skalen anderer Marken verrechnen. Die weiter unten gerechneten Werte zu Umfang, Abstellzeit und Gewicht beruhen auf diesen Zahlen und auf üblichen Annahmen, sie sind Größenordnungen. Die hervorgehobene Zelle ist der bessere Wert, nicht automatisch der wichtigere. Eine fehlende Angabe zählt nicht als Nachteil.
Was aus den Zahlen folgt
Woran ein Schloss überhaupt passt
Die Rechnung mit dem Umfang
Neunzig Zentimeter ausgeklappte Länge werden beim Abschließen zu einer Schlaufe, deren Umfang etwas kleiner ist als die Länge, weil Gelenke und Schloss Platz brauchen. Rechnen lässt sich mit rund achtzig Zentimetern nutzbarem Umfang.
Ein Laternenmast von zehn Zentimetern Durchmesser hat gut einunddreißig Zentimeter Umfang, ein dickes Rahmenrohr etwa fünfzehn. Zusammen rund fünfzig, es bleibt also Luft für einen Fahrradständer mit dickem Rohr.
Ein Bügel mit dreiundzwanzig Zentimetern Höhe und knapp elf Zentimetern Breite fasst rechnerisch weniger, vor allem aber starr: Was breiter ist als die lichte Weite, passt gar nicht, egal wie viel Umfang übrig wäre.
Praktisch heißt das: Vor dem Kauf einmal an der Stelle nachsehen, wo das Rad täglich steht. Wer nur an dünne Ständer anschließt, verliert mit dem Bügel nichts. Wer an Laternen und Zäunen abschließt, braucht die Länge.
Wie lange das Rad wirklich draußen steht
Die Rechnung mit der Abstellzeit
Fünf Minuten vor dem Bäcker sind pro Jahr vielleicht dreißig Stunden Standzeit. Ein Rad, das werktags acht Stunden am Bahnhof steht, kommt auf rund zweitausend.
Das ist der eigentliche Unterschied, nicht der Wert des Rades. Wer sein Rad überwiegend in der Wohnung oder im Keller hat, senkt das Risiko stärker als jedes Schloss es könnte.
Ein Schloss kauft immer nur Zeit. Fünf Millimeter Stahl und dreizehn Millimeter Vierkant unterscheiden sich nicht darin, ob sie zu knacken sind, sondern darin, wie lange und wie laut das dauert.
Praktisch heißt das: Kurze, wechselnde Standorte bei Tageslicht sind der Fall für das Faltschloss. Immer derselbe Platz, immer dieselbe Zeit, dazu Dunkelheit: dann lohnt das schwerere Schloss, weil ein Dieb den Standort vorher ansehen kann.
Was dreihundert Gramm am Rad ausmachen
Die Rechnung mit dem Gewicht
Zwischen 1207 und 1500 Gramm liegen knapp dreihundert Gramm. Bei einem Systemgewicht aus Fahrer, Rad und Gepäck von rund hundert Kilogramm sind das drei Promille.
Am Berg heißt das: Auf dreihundert Höhenmetern kostet der Unterschied etwa neunhundert Newtonmeter zusätzliche Arbeit, also grob eine Sekunde Fahrzeit. Das merkt niemand.
Spürbar wird das Gewicht dort, wo es nicht am Rahmen hängt, sondern im Rucksack auf dem Rücken oder in der Jackentasche, und beim Abschließen selbst, weil ein Bügel mit einer Hand geführt werden muss.
Praktisch heißt das: Das Gewicht ist kein Argument gegen das sicherere Schloss, solange es eine Halterung am Rahmen gibt. Wer keine hat, sollte sie mitbestellen, sonst bleibt das Schloss irgendwann zu Hause und das ist der teuerste Fall von allen.
Wofür welches Schloss reicht
Wie sich ein Kettenschloss derselben Klasse im Einzelnen schlägt, steht im Test des Trelock BC 480. Wer ein Rad mit Motor sichert, findet die Übersicht bei den E-Bikes, und für den Alltag in der Stadt lohnt der Blick auf die Citybikes.
Wo jedes von beiden gewinnt
Für das Bordo spricht
- Neunzig Zentimeter ausgeklappt, passt um dicke Pfosten
- Gefaltet nur vierundsechzig Millimeter breit
- 1207 Gramm, das leichtere Schloss
- Weiche Ummantelung gegen Lackschäden
- Halterung ohne Werkzeug am Rahmen
Für das Granit spricht
- Sicherheitslevel 15 statt 10
- Dreizehn Millimeter Vierkant-Parabolbügel
- Power Cell gegen Schlag- und Zugangriffe
- Verdeck schützt das Schlüsselloch vor Schmutz
- Code Card für Nachschlüssel und gleichschließende Schlösser
Beide Schlösser sind gut gebaut, sie decken nur unterschiedliche Fälle ab. Ein Faltschloss ist das Schloss, das man tatsächlich dabeihat, weil es klein zusammenfällt und leicht ist, und das ist mehr wert als jede Stufe auf einer Skala. Ein Bügelschloss ist das Schloss, das den längeren Angriff aushält, dafür will es bedacht sein, weil es nur dort passt, wo Ständer und Rahmen in den Bügel gehen. Wer beides braucht, nimmt für den Alltag das Faltschloss und lässt das Bügelschloss dort, wo das Rad regelmäßig lange steht.




